Crowdfunding Interview: Moscow Spring Fever

Was war die Intention hinter Deiner Reise nach Moskau?

Ich war in meiner Jugend schon einige Male in Russland. Ich fühle mich dem Land auf eine persönliche Weise verbunden, weiß aber nicht wirklich, woher dieses Gefühl kommt. Mit der Reise im Frühjahr 2014 wollte ich einen Eindruck von Leuten bekommen, die etwa so alt sind wie ich und die in Bereichen arbeiten, zu denen ich, durch meine eigene Arbeit und meinen Freundeskreis, einen Zugang habe – d.h. Kunst, Design, Musik und Mode. Der außen- wie innenpolitischen Situation des Landes und ihrer – vor allem westlichen – Berichterstattung wollte ich versuchen, ein Portrait der Stadt und ihren Menschen gegenüberzustellen. Es sollte vom Alltag junger Leute erzählen und wie sie ihr Leben in Moskau gestalten.

MSF 6Was ist das spannende an dieser Stadt?

Mich hat am meisten beeindruckt, welches Tempo die Stadt hat. Die Leute scheinen zu wissen, dass es um alles oder nichts geht, weil hier beides nah beieinander liegt. Die Stadt lädt außerdem nicht wirklich dazu ein, es sich gemütlich zu machen. Man rauscht da durch. Und das kann sehr anstrengend sein, aber auch sehr schön! Vielleicht muss man Moskau und das Leben auch besser kennen, dann kommt man damit klar und findet Ruhe. In einem Gespräch sagte mir jemand: „When you take the rules of the game, it works better and easier.” Jemand anderes beschrieb die Stadt als ein Labyrinth, das einen zwar rein, aber nie wieder raus lässt. Vielleicht stimmt beides.

Wie bist Du auf Deine Protagonisten zugegangen?

Ich kannte bereits jemanden in Moskau, bevor ich dorthin gekommen bin und sie nahm mich direkt mit zu Ausstellungen und anderen Orten, wo Freunde von ihr waren. Dort lernte ich andere Moskauer kennen und nach einiger Zeit besuchte ich einige davon in ihren Ateliers und zuhause, um sie zu fotografieren. Es war nicht so sehr ein Suchen nach Protagonisten. Ich habe dort meinen Alltag gelebt, aber eben in einer fremden Stadt und, am Anfang, ohne ein soziales Netz.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Tanja Schüz entstanden?

Tanja kenne ich aus dem Studium und sie macht wunderbare Arbeiten. Nachdem ich ihre Abschlussarbeit sehen konnte, habe ich mir vorgenommen, mit ihr mal zusammen zu arbeiten. Das hat dann glücklicherweise geklappt. Wir haben das Konzept für das Buch zusammen entwickelt und sie hat das Layout gemacht. Allgemein finde ich es für mich immer wichtiger, Dinge mit anderen zusammen zu entwickeln. Es gibt viele Situationen, in denen ein Austausch notwendig ist, um weiterzukommen.

"Man könnte damit anfangen, ein bisschen vor der Kamera zu sitzen und etwas zu erzählen. Und dabei guckt man in die Kamera und durch sie durch zu jemandem, dem man das erzählt. Vielleicht sollte man auch ganz frei und ohne zu üben einfach drauflos sein Video machen."

− Robert Hamacher

Warum hast Du Dich letztlich für Crowdfunding als Finanzierungsmethode und VisionBakery als Plattform entschieden?

Das Buch soll beim Verlag Spector Books erscheinen, in einer Auflage von 750 Stück. Dafür hatten wir eine Kalkulation gemacht, die wir aber durch späte Änderungen am Buch mehrmals neu aufstellen mussten (z.B. suchten wir ein anderes Papier aus, entschieden uns für einen Schutzumschlag und eine Cellophanierung). Bisher konnten wir die Hälfte unserer Kosten durch Förderungen decken. Aber wir merken auch, dass mögliche Förderungen nicht unser einziges Standbein sein können. Das ist der eine Grund für die Kampagne. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass wir dadurch nochmal die Möglichkeit haben, Leuten das Projekt vorzustellen und die hoffentliche Veröffentlichung anzukündigen. Auf VisionBakery bin ich vor allem durch Freunde gekommen, die mir die Plattform empfohlen haben. Zudem sind beide, VisionBakery und Spector Books in Leipzig zuhause. Das war für mich ein zusätzlicher, vielleicht auch symbolischer Grund.

MSF 7Wie hast Du Dich auf die Kampagne vorbereitet?

Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung, wie man so eine Kampagne gestaltet. Also habe ich mir einige andere Kampagnen angesehen und bin ansonsten meiner Intuition gefolgt, wie ich das Projekt am besten präsentieren kann. Ich wollte den Leuten erzählen, worum es geht und das auch mit Bildern aus dem Buch kommunizieren. Gleichzeitig sollte es noch etwas geben, das man erst erfährt, wenn man das Buch in der Hand hat. Eine Art Trailer, der Ausschnitte und Hintergrundinformationen liefert, aber gleichzeitig nicht alles verrät.

Dein Projekt konnte in kürzester Zeit schon viele Unterstützer finden. Was ist Dein Geheimnis? Und welche Tipps würdest Du zukünftigen Crowdfundern geben?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich allgemeine Tipps geben kann zu anderen Kampagnen. Man könnte damit anfangen, ein bisschen vor der Kamera zu sitzen und etwas zu erzählen. Und dabei guckt man in die Kamera und durch sie durch zu jemandem, dem man das erzählt. Vielleicht sollte man auch ganz frei und ohne zu üben einfach drauflos sein Video machen. Ich weiß es leider nicht. Mir war aber wichtig, dass man genug Informationen bekommt zu einem vorgestellten Projekt, um am Ende sagen zu können, was es ist und ob man es haben oder unterstützen möchte.

Wie geht es für Dich nach der Kampagne weiter? Hast Du schon Pläne für neue Projekte?

Als ein nächstes Projekt bereite ich momentan einen Film vor, der im nächsten Halbjahr entstehen soll. Darin wird es ebenfalls um das Portraitieren eines Ortes und ihrer Menschen gehen. Die Arbeit soll als Mehrkanal-Filminstallation präsentiert werden.

Kreative Projekte auf VisionBakery

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