Erzählt uns kurz etwas zu dir, wer ist Aileen Phoenix?

Ich bin eine Berliner Sängerin & Musikerin, die in Berlin geboren und aufgewachsen ist. Ich bin also durch und durch eine Berliner Göre und identifiziere mich durchaus mit dem Berliner Klischee-Image „tougher, rauher Ton, aber doch auch herzlich und humorvoll“. Berlin war und ist immer ehrlich und direkt, -und das bin ich auch. -Ach ja, und eigenwillig sollte ich nicht vergessen zu erwähnen ;).  Ansonsten glaube ich, kann ich einfach meine Musik für mich sprechen lassen, denn ich erzähle in ihr von meinen Themen.

Was macht deine Musik aus und was ist das besondere an der neuen EP?

Ich denke, meine Musik macht aus, das sie die Musik einer eigenwilligen, starken Frau ist, die keine Angst hat sich in ihren Songs zu zeigen. Meine Musik ist ehrlich und ich glaube, das ist es, was sie so kraftvoll macht. Genretechnisch komme ich aus dem Jazz, und ich denke, das ist meiner Musik und meinem Gesang auch immer anzuhören, jedoch habe ich zb. auch ein Duo gehabt, das Jazz Punk gemacht hat- meine Rebellinnen-Seele war also immer schon vorhanden und schien durch.

Und nun singe ich auf meinem neuen Album auf deutsch und thematisiere auch politische Themen, weil es mir inzwischen merkwürdig vorkommt, meinen Einsatz für Gleichberechtigung, Klimaschutz und eine offene Gesellschaft nicht zu thematisieren, da er so ein großer Teil von mir ist. Außerdem sehe ich es als spannende Herausforderung an, Menschen zu motivieren aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen und ich hoffe, dazu kann ich mit meinen Songs anregen und etwas beitragen.

Daneben steht aber auch meine Leidenschaft und Liebe zu epischen Soul-Schmonzetten, die ich einfach liebe zu singen und zu schreiben. Das heißt, das Album ist kein durchweg politisch motiviertes, denn das würde bedeuten, nur eine Seite von mir zum Zuge kommen zu lassen. Nein, dieses Album ist beides: Stellung beziehen und hoffentlich zum Nachdenken anregen und dann aber auch einfach eintauchen in ein Gefühl, in einen Song- es balanciert sich also hoffentlich gut aus! 😉

Warum hast du dich für Crowdfunding als Finanzierungsmethode entschieden?

Vor dem Crowdfunding habe ich Fördergelder beim Music Board Berlin beantragt, doch dieser Antrag wurde abgelehnt. Da es einfach schwer ist, an Fördergelder für sein Projekt zu kommen und die Eigenfinanzierung mir einfach nicht möglich war, habe ich mich für’s Crowdfunding entschieden, nachdem ich zu dem Thema einen Workshop besucht hatte. Da es mir wichtig ist, auf die finanzielle Situation von mir und meinen Musikerkollegen aufmerksam zu machen, möchte ich an dieser Stelle ein wenig ausholen- seit meinem Gesangsstudium an der UdK Berlin und dem Jazz Institut Berlin bin ich als freiberufliche Musikerin unterwegs. Bis jetzt oft auch in anderen Projekten und da Berlin ein hartes Pflaster für Freiberufliche jeglicher Art ist, besonders aber meiner Erfahrung nach im Kunstbereich, halte und hielt ich mich oft mit Unterrichten und Workshops geben über Wasser. Und es ist nicht so, das ich das nicht auch gerne tue, nur ist es oft so, das das eigene Projekt vor lauter „Hustle“ um finanziell über die Runden zu kommen einfach immer zu kurz kommt und dann auch nicht nur die Zeit, sondern auch das Geld fehlt, um es voranzubringen. Denn das ist die Realität- bevor das eigene Musikprojekt finanziell auch nur irgend etwas abwirft, heißt es oft jahrelang: Unmengen an Arbeit und Geld rein zu stecken. Das wird leider gefördert, durch die Strukturen, in denen wir Musiker uns bewegen müssen- der Konsument ist inzwischen daran gewöhnt, den Content, sei es Musik, Filme, etc. umsonst konsumieren zu können, die Gagen für Gigs sind schauerlich geringfügig und alles in allem ist die Realität für Musiker finanziell oft sehr düster. Davon dann auch noch sein eigenes Projekt komplett zu finanzieren (und auch ein Team drum herum, das man definitv braucht, um überhaupt voran kommen zu können) ist schlicht und einfach nicht möglich. Wenn dazu ab einem gewissen Punkt, sich das Leben dazu noch erweitert, im Sinne von eine Familie gründen usw., dann ist es oft so, das man geradezu auf der Strecke bleibt, wenn man Aufgaben, die nichts mit der Musik und dem Musik machen direkt zu tun haben, nicht an andere weiter delegieren kann.

  

Wie hast du dich auf die Kampagne vorbereitet?

Ich habe im Vorlauf vielen Menschen davon erzählt und wozu genau ich das Crowdfunding mache (für mein neues Album und alles, was da noch drum herum dranhängt, wie Musikvideos dafür produzieren usw.). Ich habe es auch in Emails rum geschickt und Social Media-Alarm gemacht, das es bald losgeht, Flyer verteilt und sogar Plakate gehangen.

Wenn dein Projekt erfolgreich finanziert wird, was können wir zukünftig von dir erwarten?

Na, zuallererst natürlich mein neues Album, welches im Frühling 2019 veröffentlicht werden wird. Dazu wünsche ich mir natürlich eine kleine Tour, damit ich das Album vor allen Dingen auch meinen tollen Unterstützern vorstellen kann, die ja der Grund sind, warum dieses Album überhaupt gemacht werden kann!

Dann habe ich vor, mich weiterhin mit Themen zu befassen, die uns alle angehen. Wie soll unsere Gesellschaft aussehen? Was müssen wir dringend und sofort ändern, damit wir den Klimawandel und die Vermüllung unseres Planeten eindämmen und bezwingen können, -wann entwickeln wir endlich geschlossene Kreise bei der Energie-und Materialproduktion?!

Je älter ich werde, umso wichtiger ist es mir, mein „Handwerk Musik“ auch dazu zu gebrauchen die Dinge zu thematisieren, die in meinen Augen falsch laufen in dieser Welt oder schlicht und einfach generalüberholt werden müssen. Zumindest möchte ich die Diskussion darüber anzustoßen.

Das sind Themen wie Umweltpolitik, Energiepolitik, die so reaktionär und überholt stattfindet, das ich unbedingt und ganz dringend das Gefühl habe, ich MUß dort etwas mit anstoßen, es MUß einen radikalen Umbau dort geben und auch denke ich, dort müssen alte Sesselfurzer, die Handlanger von Konzerninteressen sind, ihre Plätze räumen für junge Menschen, die ihr zukünftiges Leben auf dieser Erde gestalten wollen. Denen wirkliche Gleichberechtigung ein wichtiges Anliegen ist, die eine inklusive, progressive Vorstellung von unserer Gesellschaft und Familie haben. Und das erlebe ich tagtäglich um mich herum und bin immer wieder überrascht wie viel Konsens in dem Wunsch besteht, zb. überholte Rollenbilder zu entlassen und etwas als Lebensgrundlage zu schaffen, das nicht in gesellschaftliche Korsette zwingt, sondern frei macht ein Leben zu leben, das individuell Sinn macht.

Überhaupt müssen „die Jugend“ und junge Erwachsene mit ihrem kraftvollen Gestaltungswillen endlich mal ernst genommen werden!!

Dieser Widerspruch, sie sollten doch unbedingt wählen gehen, weil ihre Stimme so sehr zählt für unsere Demokratie, um sie dann aber bei der nächsten Gelegenheit als naiv und noch zu jung, um wirkliche Ideen beisteuern zu können abzutun ist nicht nur absurd, sondern ätzend und wie ich finde auch unglaublich arrogant, -aber vor allen Dingen einfach: faul.

Wenn die „weisen Älteren“ so gute Politik machen können, warum ist diese Welt(politik) dann so unfair, voller Kriege und klimapolitisch dem Untergang geweiht?!

Nicht das ich nicht weiß, wie kleinteilig und unsexy es ist Realpolitik zu machen, jedoch kann das nicht die Ausrede dafür sein, nicht für bessere Verhältnisse zu kämpfen und sie, so mühselig das auch sein mag, Schritt für Schritt voranzubringen und durchzusetzen. Und ich glaube auch, das gerade die jüngeren Menschen in der Politik von Nöten sind, da sie die notwendige Kraft und den notwendigen Idealismus mitbringen, Dinge voran zu bringen und zu ändern.

 

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