Crowdfunding Interview: Gesichter der Mongolei

Diese Woche haben wir für Euch mit Dokumentarfilm-Regisseur Robert Schröder über das Projekt Gesichter der Mongolei gesprochen. Im Interview für unseren Staff Pick der Woche verrät er, wie man auf die Idee kommt einen Dokumentarfilm über eine mongolische Jazz-Big-Band zu drehen, worauf man beim Crowdfunding achten sollte und welche Dokumentationen echt sehenswert sind. Lasst Euch überraschen!

Um was geht es bei Eurem Filmprojekt?

Wir wollen einen Dokumentarfilm in der Mongolei drehen. Wir wollen die einzige Jazz Bigband der Mongolei auf ihrer Tour durchs eigene Land begleiten. 2.500 km, 6 Auftrittsorte, 20 Musiker. Dabei werden junge, kreative Menschen zu Wort kommen, ihre eigenen Geschichten erzählen und uns ihr Land so zeigen, wie sie es sehen. Wir wollen wissen, wie sie ihre eigene Zukunft sehen, was Jazzmusik für sie bedeutet, welche Wünsche sie haben und welche Ziele als Musiker. Die Mongolei, politisch und wirtschaftlich improvisierend, zwischen Tradition und Moderne agierend – dafür kann es keine bessere Übersetzung als die Jazzmusik geben!

Wie seid Ihr auf das Thema gekommen?

Antje Hamel, unsere Fotografin, ist im März dieses Jahres in die Mongolei gereist, zum Hundeschlittenfahren bei eisigen minus 25 Grad. Ein Freund von ihr (Sebastian Woitsch) „überredete“ sie dazu. Er arbeitet beim Goethe Institut und rief das Goethe Musiklabor Ulan Bator – Projekt an der Uni in der Hauptstadt ins Leben. Dieses umfasst die technische Ausrüstung eines Proberaumes mit Instrumentarien, Workshops in Richtung Jazz und Popularmusik und u.a. der Gründung einer Jazz-Bigband.

Antje lernte sowohl Einheimische kennen, die an der hiesigen Uni Musik studieren, als auch alle Initiatoren, die die Bigband gründeten und nun diese Tournee planen. Sebastian erzählte ihr davon und sie war recht verwundert, dass es diesbezüglich noch keinen Kontakt zu einem deutschen Filmteam gab. Denn Jazzmusik in der Mongolei, eine Tour durchs eigene Land – das ist für die Verhältnisse der Mongolei eine echt spektakuläre Sache. Einmalig!

Antje kam nach ihrer Reise zurück nach Leipzig und rief mich völlig euphorisch an. Wir saßen zusammen in der Kneipe und sie erzählte mir die ganzen Geschichten, die sie dort erlebt hatte. Wie die Antje halt so ist, sie konnte mit ihrer Begeisterung überzeugen und daraufhin fingen wir an, zu konzipieren und alle Gedanken zu sortieren. Viele Gespräche mit der Mongolei führten zu dem aktuellen Konzept. Es wird ein sehr intensiver und fröhlicher Film und wir sind sehr gespannt, was uns dort alles erwartet.

Warum habt Ihr Euch für Crowdfunding als Finanzierungsmethode entschieden?

Wir haben uns für das Crowdfunding entschieden, um einen komplett eigenständigen Film zu entwickeln, um den Druck einer Redaktion von TV-Sendern zu entgehen. Oftmals werden Geschichten künstlich verfälscht, um eine Brisanz hervorzuheben, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Wir sind der Meinung, dass wir mit einem sehr guten Gefühl, mit Unterstützern, die an das Projekt glauben, einen wertvolleren Film herstellen, als es eine Auftragsproduktion tut.

Wieso habt Ihr Euch für VisionBakery entschieden?

Die VisionBakery ist in unseren Kreisen ein ganz fester Bestandteil. Ich verfolge die Geschichte von Anfang  an. In den letzten Jahren haben wir medial auch einige Projekte unterstützt und da liegt es nah, sich die Plattform auszusuchen, mit der man sich wohl fühlt und weiß, es stehen Menschen hinter der Plattform, die daran interessiert sind, wirklich zu unterstützen.

Wie habt Ihr Euch auf die Kampagne vorbereitet?

Wir haben mit der Stoffsammlung begonnen, damit wir das Filmkonzept schreiben konnten. Mit kleinem, aber professionellem Besteck wollen wir arbeiten. Wir formten ein Team: Redaktion, Regie, Kamera, Ton, Produktionsleitung. Dann überlegten wir uns gemeinsam den Ablauf des Gesamtkonzeptes, die Durchführung und die Kampagnen rund um den eigentlichen Film. Beim Brainstorming erarbeiteten wir die Angebote, die wir unseren Unterstützern beim Crowdfunding bieten können.  Wir erstellten einen Plan, welche Plattformen wir behelligen müssen, Presse, Kontakte, Multiplikatoren, Einzelpersonen. Mit dem WERK 2 haben wir einen super Kooperationspartner bzgl. der Presse, ÖA, Räumlichkeiten, Präsentation des Filmes, etc. Die Website durfte auch nicht fehlen. Und da muss man sich dann am Abend als Filmemacher auch mal mit WordPress auseinandersetzen. Gerade im Vorfeld betreiben wir einen enormen Aufwand mit Recherchen, Mailverkehr, Aufbereitung aller Materialien für sämtliche Plattformen. Manchmal ärgert es uns, dass der Tag nur 24h hat. Wir arbeiten sehr daran, dass wir noch einige Unterstützer finden, die uns helfen, das Projekt realisieren zu können.

"Mit der Zielgruppenanalyse und wie man diese erreicht, sollte man sich im Vorfeld ganz genau beschäftigen, damit die Kampagne erfolgreich ist."

− Robert Schröder

Was habt Ihr bisher gelernt? Welche Tipps würdet Ihr zukünftigen Crowdfundern geben?

Wenn ich den zukünftigen Crowdfundern Tipps geben könnte, dann würde ich das nächste Mal folgende Dinge anders machen: Bevor das Projekt auf VisionBakery online geht, ist es sicher gut, wenn man in den Kanälen wie Facebook oder Youtube genügend Fans hat, um nicht bei Null anzufangen. Dann ist auch schon eine gewisse Transparenz vorhanden; die Leute wissen bereits, wer hinter dem Projekt steht. Dann sollte man sich überlegen, welche Leute können sich mit der Idee oder dem Projekt identifizieren. Ist die Zielgruppe eher regional oder sind es Musiker und Jazzliebhaber, wie in unserem Fall, die weltweit verstreut sind. Mit der Zielgruppenanalyse und wie man diese erreicht, sollte man sich im Vorfeld ganz genau beschäftigen, damit die Kampagne erfolgreich ist. Ich glaube, dass soziale Projekte und technologische Gadgets besser funktionieren als Dokumentarfilme, besonders wenn es Filme sind, die fröhlich sind. Wir stellen auch aktuell fest, dass es schwierig werden wird, die Summe von 25.000€ zu sammeln, jedoch bleiben wir in voller Zuversicht und rühren die Werbetrommel auf allen Kanälen.

Welche Reisedokumentation sollte man unbedingt mal gesehen haben und warum?

Das ist eine schöne Frage. Es gibt unzählige Reisedokumentationen; auch aus der Mongolei. Was wir festgestellt haben ist, dass in den Filmen meist ein großer Rundumschlag passiert, bei dem man versucht, alle Klischees zu bedienen. Es gibt diese Landschaftsaufnahmen, Jurten, ewige Weiten. So schnell, wie die Bilder kommen, gehen sie auch wieder. Keine Zeit für große Wirkung. Deshalb wollen wir die Menschen in der Mongolei, die Musiker, unsere Protagonisten ganz genau kennenlernen. Wie das auch bei Filmen passiert wie Ai Weiwei – Never Sorry oder The United Nations of Hoodoo.

Tolle Projekte bei VisionBakery

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