Crowdfunding Interview: Mädchenseele

Polly ist ein 7-jähriges Mädchen. Sie tanzt gern, spielt Fußball und manchmal möchte sie eine kleine Prinzessin sein. Pollys Körper ist jedoch der eines Jungen, denn Polly ist transident. Ihre geschlechtliche Identität stimmt nicht mit ihrem biologischen Körper überein. Regisseurin Anne Scheschonk begleitet Polly und ihre Mutter Josephin für den Dokumentarfilm Mädchenseele und gibt uns Einblick in Pollys Welt. Wir haben mit ihr über den Film und die dazugehörige Crowdfunding-Kampagne gesprochen.

Mädchenseele ist ein Film über Polly und ihre Mutter Josephin. Erzähl uns doch ein wenig über die Beiden!

Polly und ihre Mutter Josephin leben in einem großen Familienverbund im Haus von Polly Großeltern, die selbst noch rüstig sind und Pflegekinder haben. Eine ganz schöne Rasselbande, es ist immer viel los! Herzliche Leute mit großem Herzen und einem dicken Fell drumherum. Polly geht jetzt in die Schule, sie tanzt für ihr Leben gern, mag es sich zu verkleiden und spielt Fußball – natürlich in der Mädchenmannschaft! Also alles wie bei anderen Mädchen auch.

Wie ist die Idee zum Film entstanden?

Polly mit ihrer Mutter Josephin

Polly mit ihrer Mutter Josephin

Eigentlich gab Pollys Mutter den Anstoß dazu. Sie haben als Familie einen mitunter sehr steinigen Weg hinter sich. Viele der Probleme, die die Familie hatte, sind durch Unwissenheit und Berührungsängste ihres Umfeldes entstanden. Es gab die Vorwürfe, Josephin würde ihr Kind zum Mädchen machen wollen, andere Leute weigerten sich konsequent ‘sie’ zu Polly zu sagen. Auch gab es anonyme Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdung. Deshalb hatte Josephin den Entschluss gefasst, an die Öffentlichkeit zu gehen und anhand der Geschichte ihrer Familie für das Thema zu sensibilisieren. Das war natürlich keine leichte Entscheidung.

War es schwer Protagonisten für dieses sensible Thema zu finden?

Da Josephin an mich herangetreten ist, nicht. Hätte ich sie selbst suchen müssen, dann sicherlich ja. Ich habe noch weiter recherchiert und auch andere Familien gefunden, doch die Bereitschaft vor der Kamera über diese Dinge zu sprechen, ist gleich Null. Natürlich sollen die Kinder geschützt werden. Alle wollen im Prinzip nur ihr Leben leben und in Ruhe gelassen werden. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, uns dieses Thema durch einen Film näher zu bringen.

"Polly ist sehr willensstark. Sie weiß was sie will und was nicht."

− Anne Scheschonk

Was hat Dich persönlich am meisten an Polly beeindruckt?

Polly ist sehr willensstark. Sie weiß was sie will und was nicht. Ich fand es beeindruckend, dass sie sich mit ihren damals vier Jahren vor ihre Familie stellte und für alle klar machte, dass sie ein Mädchen ist und ab jetzt gefälligst als solches behandelt werden will. Da steht sie für sich ein, was sie jetzt übrigens auch in der Schule macht, wo es kein Geheimnis mehr ist, dass sie einen Jungenkörper hat.

Anne Scheschonk

Anne Scheschonk

Welche Rolle spielt Crowdfunding bei der Finanzierung des Films?

Im Moment ein Große, da es den Hauptdrehzeitraum absichern soll. Technik, Team, Sprit und Übernachtungen – da kommt Einiges zusammen. Momentan habe ich mit viel Idealismus alles allein gestemmt. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Daher freue ich mich gerade sehr, dass unser Filmprojekt bereits von vielen Interessierten unterstützt wird.

Wie bist Du auf VisionBakery gekommen?

Ich kenne VisionBakery schon seit ein paar Jahren durch Projekte von Freunden, die auf der Plattform gelaufen sind. Ich finde die Idee des Crowdfundings sehr transparent und schlüssig vermittelt und der Auftritt ist liebevoll gemacht. Es macht Spaß, sich durch die Projekte anderer zu klicken und sich von ihren Ideen anstecken zu lassen. Ich denke, die regionale Nähe Halle – Leipzig spielt auch eine Rolle.

"Sehr wichtig ist natürlich ein ordentlicher Kommunikationsplan: Wen werde ich anschreiben und auf meine Kampagne aufmerksam machen? "

− Anne Scheschonk

Wie hast Du Dich auf die Crowdfunding-Kampagne vorbereitet?

Es muss einem in erster Linie natürlich klar sein, ob das Crowdfunding dem Projekt tatsächlich hilft. Und dann gibt es verschiedene Felder zu beackern: Inhalte für die Präsentation müssen erstellt werden, Gegenleistungen müssen ersonnen werden, und überhaupt fängt man an, viel zu rechnen. Sehr wichtig ist natürlich ein ordentlicher Kommunikationsplan: Wen werde ich anschreiben und auf meine Kampagne aufmerksam machen? Wie aktiviere ich die Presse und wann? Mit welchen Inhalten füttere ich meinen Blog? Also solche Dinge sollte man im Vorfeld schon bedenken und planen.

Was hast Du bisher gelernt und welche Tipps & Tricks würdest Du zukünftigen Crowdfundern mit auf den Weg geben?

Mädchenseele 7Wichtig ist, wie oben schon angedeutet, der durchdachte Kommunikationsplan. Da sollte man v.a. auch kreativ sein und auch mal um die Ecke denken. Wer in meinem Umfeld sind wirkliche Multiplikatoren für meine Sache? Oft sind es gar nicht die, an die man zuerst denkt. Den Zeitaufwand sollte man nicht unterschätzen. Eine ordentliche Präsentation kostet Zeit, die Betreuung während der Laufzeit ist nicht zu unterschätzen. Was man vorbereiten kann, sollte man vorbereiten – oder aber sich genügend Zeit währenddessen einplanen. Ich würde auch immer empfehlen, das Crowdfunding zu zweit oder zu dritt zu betreuen.

Wie geht es nach dem Crowdfunding für Dich und den Film weiter?

Wir wollen drehen und schneiden und „Mädchenseele“ im Herbst dann präsentieren. Das ist das große Ziel! Dann werden wir den Film hoffentlich auf vielen Festivals zeigen können und so viele Menschen erreichen. Und vielleicht gibt es in ein paar Jahren einen weiteren Film über Polly.

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