Filmemacher Stefan Aretz im Interview

Stefan AretzAnfang Mai wurde das Filmprojekt SORRY GUYS von Regisseur und Drehbuchautor Stefan Aretz erfolgreich bei VisionBakery finanziert. Im August starten die Dreharbeiten und wir haben die Zeit bis dahin genutzt, um Stefan ein paar Fragen zu seinen Erfahrungen mit Crowdfunding zu stellen.

1518-1Wie kam die Idee zu SORRY GUYS zustande?

Schreiben hat für mich als Regisseur und Autor eine Katalysatorfunktion. Das Thema „Kinderhabenwollen“ prägt derzeit meine Lebensphase (33 Jahre). Die Auseinandersetzung begann vor einem Jahr mit dem Stoff. Vor allem mit der Frage, was passiert wenn man aufgrund von biologischen Umständen die Wahl gar nicht mehr hat, ob man eigene Kinder bekommen möchte oder nicht. Wie geht man damit um. Ein Problem mit dem sich gerade auch homosexuelle Paare konfrontiert sehen. Der Wunsch nimmt ja nicht ab, nur wenn es nicht klappt. In all der Tragik, liegt in den Versuchen auch etwas merkwürdig komisches. Und ich wusste recht bald, dass ich darüber ein Drehbuch schreiben werde. SORRY GUYS ist es dann geworden.

Warum hast du dich für Crowdfunding als Finanzierungsmethode entschieden?

Ich hatte erst Zweifel ob das eine gute Entscheidung ist. Meine Sorge war, dass es so aussieht, als ob man einfach keine Kohle hat um so ein Projekt zu stemmen und nun die Freunde über eine solche Weise anbettelt. Meine Producerin Emely Roßner hat mich jedoch davon überzeugt es einfach zu versuchen. Und dann hat mich der mediale Zuspruch und die Verbreitung regelrecht umgehauen.

Warum ausgerechnet VisionBakery?

Die sehr gute Betreuung und den künstlerischen Anspruch für den VisionBakery steht hat uns überzeugt. Außerdem sind sie aus Leipzig. Das war auch ein irrationaler Grund JA zu sagen.

"Überall wurde ich auf das Projekt angesprochen. Was mich dabei überrascht hat war, dass die Leute unsere Kampagne eben nicht als Betteln verstanden haben, sondern Teil sein wollten an einem Projekt, was sie begeistert."

− Stefan Aretz

Wie hast du dich auf die Kampagne vorbereitet?

Wir haben erstmal mit Leuten telefoniert die bereits Erfahrungen gesammelt haben mit Crowdfunding. Und dann habe ich mir andere Kampagnen angeschaut und überlegt, was mich aus welchem Grund wie anspricht. Wir haben dann jede Menge Content erstellt. Wichtig war mir nicht nur das Projekt vorzustellen, sondern auch den Funken überspringen zulassen. So zusagen, wann die Idee zum Film zu mir gekommen ist und was sie mit mir gemacht hat. Ich glaube es muss persönlich sein, wenn es funktionieren soll.

1518-1-1Wie hast du die Zeit der Kampagne empfunden? Was war gut? Was hat überrascht & was hat nicht so gut geklappt?

Die Zeit ist verflogen. Ich war gespannt und sehr aufgeregt. Die Ereignisse haben sich überschlagen. Die Verbreitung war gigantisch. Der Zuspruch auch. Überall wurde ich auf das Projekt angesprochen. Was mich dabei überrascht hat war, dass die Leute unsere Kampagne eben nicht als Betteln verstanden haben, sondern Teil sein wollten an einem Projekt, was sie begeistert. Es ist eine eigene kleine Fangemeinde entstanden! JETZT SCHON, bevor der Film überhaupt gedreht ist. Leider musste ich auch die Erfahrung machen, wie es ist mit Hochstaplern in Kontakt zu kommen. Es gibt Menschen, die sich eine erfundene Identität geben und ohne einen Skrupel im Bauch auf Dich zu kommen und Dir persönlich großzügige Unterstützung zu sagen, die sich als schlichte Lüge entpuppt. Wenn es zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es meistens auch nicht wahr!

Was ist seit dem Ende deiner Crowdfunding-Kampagne geschehen?

Wir haben eine Produktionsfirma gegründet. Die CONNOR FILM GmbH, die das Geld offiziell für die Erstellung des Filmes einsetzt. Natürlich ist das nur ein Bruchteil von den gesamten Kosten, die die Produktion abdeckt, aber emotional der wichtigste Teil.

Hast du Tipps & Tricks, die du gerne anderen Projektinitiatoren mit auf den Weg geben würdest?

Man muss die Leute persönlich anschreiben. Die wenigsten Menschen spenden einfach so etwas. Und es kostet sehr viel Zeit! Einen Monat ist man rund um die Uhr damit beschäftigt. Das sollte man gut einplanen. Außerdem wollen die Menschen oft viel weniger wissen, als man zu sagen hat. Ich würde immer empfehlen eher knapp zu bleiben und konkret. Eher schnell und eindeutig als umfangreich und detailliert. Und in jedem Fall so persönlich es geht, ohne wirklich privat zu sein.

Würdest du weitere Projekte auf diese Weise finanzieren?

Grundsätzlich würde ich das nicht überstrapazieren. Ich glaube, dass die Menschen die mir etwas gegeben haben, nicht sofort wieder in ihre Taschen greifen möchten. Ich denke so etwas sollte man sparsam einsetzten.

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