Tipps und Tricks: Gegenleistungen (Teil 4)

Entwicklung von Gegenleistungen

Die Entwicklung einer Gegenleistung und das Zusammenführen von einzelnen Bestandteilen zu einem Gegenleistungspaket ist ein kreativer Prozess und stellt nicht selten Initiatoren eines Crowdfunding vor eine große Herausforderung. Was biete ich an und was möchte meine Zielgruppe überhaupt? Zu Beginn solltest du das eigene Vorhaben genau betrachten. Entstehen aus meinem Vorhaben Produkte oder Dienstleistungen, welche ich anbieten kann? Oft wird ein Crowdfunding initiiert, um ein Produkt oder eine Dienstleistung erst zu entwickeln. Damit besteht die Basis, dass genau diese auch als Gegenleistung angeboten werden können. In der Kommunikation meines Vorhabens spreche ich Menschen an, die sich für den Inhalt begeistern und somit liegt es nahe, dass sie auch an einem Produkt oder einer Dienstleistung Gefallen finden, welche daraus hervorgeht. Diese Art von Gegenleistung ist besonders interessant, da sie keine weiteren Kosten in der Beschaffung verursacht und schon Bestandteil der Kalkulation ist. Als Beispiel kann die CD Produktion eines Musikers genannt werden. Das Ziel des Crowdfunding ist die CD. Damit werden Personen angesprochen, welche sich für die Musik begeistern können und das Endprodukt in eigenen Händen halten wollen. Die Kalkulation der Crowdfunding Summe basiert auf den Kosten der CD Kalkulation und wird durch Versandkosten, Steuern und anderen Nebenkosten ergänzt. Weiterhin eignen sich Produkte oder Dienstleistungen, die im direkten Bezug zu dem Vorhaben stehen. Die Zielgruppe wird auch durch diese Gegenleistungen angesprochen, da sie der Ausrichtung des Crowdfunding entsprechen. Das kann der Musiker sein, der sein altes Album, ein Wohnzimmerkonzert oder ein persönliches Treffen anbietet. Oder ein Mathematikprofessor, der ein Buch schreiben möchte und seinen Studenten seine persönliche Telefonnummer anbietet, damit sie ihm eine mathematische Frage stellen können. Wie am letzten Beispiel verdeutlicht wird, besteht auch die Möglichkeit, Produkte oder Dienstleistungen als Gegenleistungen anzubieten, welche bisher nicht als solche gesehen und von der Zielgruppe vergütet wurden. Es sollte gezielt nach diesen außergewöhnlichen Angeboten gesucht werden. Meist werden sie nur in dem Crowdfunding angeboten und können außerhalb dessen nicht erworben werden. Dadurch besitzen sie eine gewisse Exklusivität. Weiterhin sind sie oft mit einem geringen oder sogar ohne finanziellen Aufwand zu realisieren. Ein Grundsatz in den Überlegungen sollte immer sein “Was ist exklusiv, kann ansonsten nicht erworben werden und kostet mich in der Beschaffung wenig bis nichts?”.

      

Bei der Entwicklung ist ein wichtiger Punkt darauf zu achten, dass Gegenleistungen nicht die Zielgruppe einschränken. Damit ist gemeint, dass zum Beispiel Gegenleistungen, die nur regional erbracht werden können, möglicherweise keine überregionale Zielgruppe ansprechen. Auch regionale Vorhaben sprechen in der Regel eine überregionale Zielgruppe an. Personen, welche zu einem früheren Zeitpunkt in einer Region verankert waren oder Shopper, die keine regionalen Bezug haben aber den Inhalt ansprechen finden, zählen dazu. Diese Zielgruppe verlangt unter Umständen jedoch, dass Gegenleistungen angeboten werden, die auch versandt werden können. Als Beispiel kann ein Imker genannt werden, der regionalen Honig anbietet, der vor Ort abgeholt werden kann. Wenn der Imker die Gegenleistung durch die Möglichkeit eines Versands erweitert, spricht er mehr Personen an.

Gegenleistungen sollten nicht nur als Tausch von Geld gegen Produkt oder Dienstleistung gesehen werden. Sie können auch gezielt für eine nachhaltige Strategie eingesetzt werden und somit dem Vorhaben langfristig einen Mehrwert bringen. So kann ein Café, welches durch ein Crowdfunding die Inneneinrichtung finanzieren möchte, seinen Unterstützern Kaffee und Kuchen als Gegenleistung anbieten. Damit wird bewirkt, dass der Unterstützer persönlich in das Café kommen muss. Auch wird er in der Regel nicht alleine kommen und somit als Multiplikator dazu beitragen, dass weitere Personen von dem Café erfahren. Ist der Unterstützer im Café, kann er vor Ort vom Angebot überzeugt und als langfristiger Kunde gewonnen werden. Ein weiteres Beispiel ist es, Unterstützer namentlich in einem Buch zu nennen. Dies erhöht die Chance, dass die Unterstützer das Buch auch nach dem Crowdfunding kaufen und verschenken, da eine emotionale Verbundenheit zum Buch besteht.

Sollten die Ideen ausbleiben, suche ähnliche Crowdfunding Projekte und  lass dich von den dort angebotenen Gegenleistungen inspirieren. Es sollte jedoch darauf verzichtet werden, eine direkte Kopie der Gegenleistung zu nutzen. Es ist wichtig, die eigene persönliche Note einfließen zu lassen.

Kannst du keine eigenen oder nicht ausreichende Gegenleistungen anbieten, ist die Einbindung von Gegenleistungs-Sponsoren eine Möglichkeit. Diese stellen Gegenleistungen zur Verfügung und unterstützen damit das Vorhaben. Dazu können auch Unternehmen zählen, welche im Gegenzug eine Gegenleistung in Form einer Logoeinbindung oder ähnlichem erhalten.

Die Möglichkeiten von Gegenleistungen sind groß, doch sollte immer beachtet werden, dass eine Bringschuld besteht und man in der Lage sein muss, die Gegenleistungen zu liefern. Sollte in der Planung schon das Risiko bekannt sein, dass sie nicht erbracht werden können, sollten sie nicht angeboten werden. Sollte in der Planung schon bekannt sein, dass sich die Lieferung verzögern kann, sollte dieser Punkt nicht verschwiegen sondern kommuniziert werden.

Ein auf einer Plattform öffentlich dargestelltes Crowdfunding richtet sein Angebot an die Öffentlichkeit und jeden (ggf. bei der Plattform registrierten) Nutzer. Die Plattform kann in den von ihr verwendeten Nutzungsbedingungen und/oder AGB den Unterstützerkreis definieren und Nutzer ausschließen (z. B. Minderjährige). Als Vertragspartner des Crowdfunding kommt deshalb jeder Nutzer der Plattform in Frage, einen weiteren Auswahlprozess, bei dem der Initiator seine Vertragspartner prüfen oder auswählen kann, gibt es nicht.

Wird das Crowdfunding über eine Plattform abgewickelt, sind die gesetzlichen Widerrufsrechte zu beachten. Außerdem ist zu beachten, ob die Crowdfunding-Plattform den Unterstützern weitere Rücktrittsrechte in den Nutzungsbedingungen beziehungsweise der Allgemeinen Geschäftsbedingung (AGB) einräumt. Wenn die Plattform keine Rücktrittsregelungen vorgibt, kann der Initiator in der Beschreibung seines Crowdfunding und den Gegenleistungen Rücktrittsrechte vorgeben, die zwischen dem Initiator und Unterstützer vereinbart werden, sobald der Unterstützer sich zur Unterstützung verpflichtet, in dem er den von der Plattform hierfür vorgesehenen Prozess auslöst (z. B. Buchungsstrecke)

Damit kann zum Beispiel vermieden werden, dass ein Umweltprojekt in einer Publikation das Logo eines Atomstromerzeugers einbinden muss oder sich ein Musiker in einer Location wiederfindet, die er nicht als geeignet empfindet.

Abschließend soll gesagt sein, dass Gegenleistungen ein wichtiger Bestandteil eines Crowdfunding sind. Ihnen sollte eine große Aufmerksamkeit und ausreichend Zeit in der Planung zukommen.

 

Quelle: Crowdfunding Campus (Toolbox)

Hast du noch Fragen? Buche dir deinen kostenfreien Termin HIER

 

Alle gewinnen oder keiner verliert Entdecke unsere Projekte