Erzähl uns kurz etwas zu „Māra Care“

Mara Care ist ein Herzensprojekt, das mit der Geburt meines Sohnes das Licht der Welt erblickt hat – mit dem Wunsch, Frauen vor Augen zu führen, wie wichtig es ist, auf sich zu schauen. Und zwar nicht nur in Zeiten wie dem Wochenbett, sondern immer. In meinem Freundeskreis kursieren so viele Frauenbeschwerden, deren schulmedizinisches Allheilmittel derzeit oft eine „Ausschabung“ zu sein scheint. Das finde ich schlichtweg absurd. Mit dem Aufleben der Gynäkologie, wie wir sie heute kennen, haben wir mal als erstes manifestiert: der männliche Körper ist die Norm, der weibliche ein Spezialfall, der unbedingt einer speziellen Medizin bedarf. Das hat sich festgesetzt. Diese Gynäkologie hat zur Folge gehabt, dass das Leben von Frauen, vor allem in Umbruchphasen wie einer Schwangerschaft, nach der Geburt oder in der Menopause radikal medikalisiert wurde (von der Geburtshilfe will ich gar nicht erst anfangen) – auf Kosten eines selbstverständlichen, natürlichen Zugangs zu unserem Körper. Das beginnt bereits in den jungen Jahren in der Pubertät. Ich hatte damals unerträgliche Regelschmerzen und die Antwort darauf war (und ist bis heute oft) die Pille. 15 Jahre habe ich daraufhin abgetrennt von meiner Weiblichkeit gelebt, weil ich die natürlichen Vorgänge in meinem Körper unterdrückt habe. Das Absurde ist, mir war das so nicht bewusst. Ich hatte im Grunde keinen Schimmer, was ich da eigentlich jeden Abend um die selbe Zeit schlucke, weil ich es nicht hinterfragt habe. Ich hatte einen völlig distanzierten Zugang zu meiner Sexualität – im doppelten Sinne – und damit irgendwie auch zu mir selbst. Als ich die Pille abgesetzt habe, haben sich mir Dimensionen eröffnet, die ich nie wieder missen möchte. Ich will die Pille nicht verteufeln, wohl aber die fehlende Aufklärung und den saloppen Umgang damit. Das Gleiche gilt für HPV-Impfungen, PAP-Abstriche, Konisationen. Das passiert alles ziemlich inflationär und wird einfach für gut und notwendig befunden, ohne dass wir es hinterfragen. Mit „Fem-Powering“ hat das nichts zu tun… Es sagt einem ja keiner, dass wir den ohnehin ziemlich ausgeklügelten „Selbstreinigunsmechanismus“ unseres Körpers (mittels unserer Regelblutung) durchaus auch anders unterstützen könnten – und damit spreche ich nicht von aggressiven Intimpflege-Produkten aus der Apotheke. Der Schlüssel für einen reflektieren Zugang zum Thema Frauengesundheit liegt in meinen Augen beim eigenen Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Intimität. Wir müssen wieder verstehen, wie unser Zyklus funktioniert, müssen hinhören und müssen unsere Vulva lieben lernen – und ich sage das bewusst so überspitzt, weil das Thema immer noch für Unbehagen, betretenes Schweigen oder unsichere Witze sorgt. Wir wissen alle, wie ein Penis aussieht. Wissen wir alle wie eine Vulva aussieht, vor allem die eigene? Und wann haben wir ihr das letzte Mal etwas Gutes getan (wenn wir das überhaupt schon getan haben) – und damit meine ich dieses Mal nicht im sexuellen Sinne. Kurz sagtet ihr, oder? Ups…

    

Was hat dich bewogen dich so intensiv mit dem Thema zu beschäftigen?

Ich selbst hatte für das Wochenbett keinerlei Vorkehrungen getroffen und war sicher, mein Körper steckt das einfach so weg und ich mache direkt nach der Geburt weiter wie gehabt – das Alpha-Frauentum lässt grüßen. Dabei kann es so heilsam sein, sich zurückzuziehen, umsorgen zu lassen und den Körper bei seinem Heilungsprozess zu unterstützen. Zwei traditionelle Methoden, die unlängst in Vergessenheit geraten sind, dabei aber eine entscheidende Rolle spielen können, sind Belly Binding und Yoni Steaming. Bei mir war es eine unangenehme Geburtsverletzung, eine immer wieder kehrende Infektion und Hämorrhoiden (um die Kinder einfach mal beim Namen zu nennen, haha), die mich fast in den Wahnsinn getrieben hätten. Außerdem fühlte ich mich leer und ausgelaugt. Und damit bin ich ja nicht allein. Geändert hat sich das erst, als mir eine Hebamme vom Steaming erzählt hat und ich aufs Belly Binding gestoßen bin.

Warum hast du dich für Crowdfunding als Finanzierungsmethode entschieden?

Ich habe bereits zu Beginn des Jahres eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich realisieren können – ebenfalls für ein Herzensprojekt, das sonst sicher nicht das Licht der Welt erblickt hätte. Die Idee, mit einem Produkt quasi in den Vorverkauf zu gehen, um es zu finanzieren, finde ich nicht nur ziemlich gut, sondern auch immer dann logisch und sinnvoll, wenn kein Eigenkapital vorhanden ist.

       

Wie hast du dich auf die Kampagne vorbereitet?

Nun erst einmal mussten die Produkte entwickelt werden, inhaltlich alles passen, die Fotos gemacht werden – wenn das steht, sind das schon 50%. Dann kommt es darauf an, wie groß die Target-Community ist, die einen unterstützen soll – und wie gut der persönliche Zugang zu ihr. In der Regel macht es Sinn vor Veröffentlichung der Kampagne die Presse anzugehen und die Kampagne bei Freunden und Familie anzukündigen.

Wenn dein Projekt erfolgreich wird, was können wir zukünftig von dir erwarten? 

Puh, mal schauen. Ich möchte Mara Care definitiv weiter ausbauen. Vielleicht wird es eine Folge-Kampagne geben. Außerdem beende ich gerade mein erstes Buch zum Thema Wochenbett und bin gerade aus verschiedenen Gründen am Überlegen, ob ich es nicht doch selbst herausbringen und die erste Auflage im Cradle-To-Cradle Verfahren via Crowdfunding finanzieren soll. Ich habe definitiv Blut geleckt und finde Crowdfunding ein wunderbares Win-Win-Modell, das vor allem jungen UnternehmerInnen neue Wege eröffnen kann.

Hier kannst du das Projekt unterstützen

 

 

Alle gewinnen oder keiner verliert Entdecke unsere Projekte