Crowdfunding Interview: Quartier Latin Berlin

Das Quartier Latin in der Potsdamer Straße war der Kult- und Konzertort des Berlin der 1970er bis 1980er Jahre. Nun soll im L&H Verlag ein Bild- und Textband mit einer großen Anzahl authentischer Fotos, Dokumente und Impressionen die Geschichte des Quartier Latin wieder lebendig werden lassen.
Marco Saß, der als Sohn der Betreiber im Quartier quasi zu Hause war, hat einzigartige Fotos aus seiner Sammlung zusammengestellt, und Henry Steinhau, der als Musikjournalist oft aus dem Quartier berichtete, hat Interviews und Texte mit und zu vielen der Künstler und zum Quartier Latin verfasst. Beide wollen ihre Arbeit aus mehreren Jahren nun zu einem großartigen Bildbuch zusammenführen.

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Wie ist es zur Idee gekommen die Geschichte des Quartier Latin in ein Buch zu bannen?

Als das Quartier Latin Ende 1989 für immer dicht machen musste, lag bei vielen Künstler*innen, Stammgästen und Besucher*innen der Impuls in der Luft, dass dieser Musikladen einen Nachruf verdient hat. Marco und ich hatten zusätzlich das Bedürfnis, allen Beteiligten, die das Quartier Latin zu dem machten, was es über die rund 20 Jahre wurde, ein dickes Dankeschön zu sagen, in Form so eines großen, umfassenden Buchs. Also allen Veranstaltern, Wirten, Zapfern, Musikerinnen, Roadies, Pizzabäckern, Helferinnen und sonstwie Mitwirkenden – und natürlich dem Publikum. 

Was war das Besondere an dieser Arbeit?

Für uns war es über die vielen Jahre immer wieder erstaunlich und begeisternd festzustellen, wie unglaublich vielschichtig das Quartier Latin war, wie viel Kultur aller couleur dort rund ums Jahr passierte. Eben nicht nur Konzerte sondern auch Kneipe und Treffpunkt und Musikerbörse – und öfters auch mal Streiklokal für die Drucker von gegenüber; eben nicht nur Rock, Blues und Jazz, sondern auch Folk, Liedermacher, Rocktheater, Kabarett, Punk, Wave, Free Jazz, Impromusik, Underground, Avantgarde, Pop und Comedy – und auch politische Feste von Kommunisten, türkischen Kurden und Alternativen Dies in den Recherchen zu realisieren, war was Besonderes.

 

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Warum hast du CF als Finanzierungsmethode gewählt?

Wir wissen, dass ein Großteil der tausenden und abertausenden Stammgäste und Besucher*innen des Quartier Latin diesen Laden sehr mochten, ja, regelrecht liebten – und durch viele persönliche Erlebnisse ein besonderes Verhältnis zu ihm haben. Und wir sind überzeugt, dass sie bereit sind, unsere zum Buch werdende Huldigung dieses legendären Ortes finanziell zu unterstützen, eben weil wir das alleine nicht stemmen können. Crowdfunding erscheint uns aber nicht nur ein guter, ehrlicher Weg, diese vielen Quartier Latin-Verehrer zu erreichen, sondern auch alle weiteren Interessenten an Kulturgeschichte  „mitzunehmen“, egal welcher Generation sie angehören und wo sie gerade heimisch sind.

Wieso hast du dich für VisionBakery entschieden?

VisionBakery schien uns vom Umfeld der dort umgesetzten Projekte her ideal geeignet, um unser Foto-Lese-Buch optimal an die eben beschriebenen Zielgruppen zu bringen. Es erzählt ja nicht nur die Geschichte einer renommierten Bühne und eines legendären Musikladens, sondern auch sehr viel über die Kulturgeschichte Westberlins zu Mauerzeiten, also auch zur Stadtgeschichte der Mauerstadt. VisionBakery hat in Projekten mit solchen Stoffen offenkundig einen Schwerpunkt und versteht gut, wie kulturorientierte Projekte funktionieren und Unterstützung finden.

Welche Tipps und Tricks hast du für andere Verlage bezüglich eines Crowdfundings?

Langen Atem haben und immer neue Ideen, um eine Kampagne zum Funding und damit vor allem die Crowd über einige Wochen lebendig zu begleiten und zu fordern. Eigentlich funktioniert das Verlegen ja andersherum: erst legt der Verlag vor, dann findet das gedruckte Buch seine Händler und hoffentlich auch Käufer. Allerdings hat sich in den letzten Jahren so viel gewandelt, dass Verlage auch Experimente in Sachen Kundenfindung machen sollten und müssen. Crowdfunding kann da funktionieren, wenn das Thema des Buches emotional und spezifisch genug ist, dass Leser (Käufer) sich als Community verstehen können. 

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