Rekordunterstützung für Leipzigs Kult-Club

Wir fragen nach dem Erfolgskonzept von „20 Jahre Distillery – Der Film“

Das hat es bei uns in der VisionBakery auch noch nicht gegeben. Innerhalb von 24 Stunden unterstützten 201 Supporter das Projekt „20 Jahre Distillery – Der Film“ mit 6667,49 Euro. In den folgenden 32 Tagen stieg die Unterstützung auf insgesamt 211 Prozent, sodass den Initiatoren jetzt die großartige Summe von 14.180,73 Euro zur Verfügung steht. In ähnliche Dimensionen stieß bisher nur das Filmprojekt Lost Place L.E. vor. Grund genug für uns bei Projektinitiatorin Janine Göhring nachzufragen, wie sie und ihr Team auf die Idee zum Film kamen und was ihrer Meinung nach ausschlaggebend für den großen Erfolg des Projekts war.

Am Anfang jeden Projekts steht der Wunsch etwas Neues zu schaffen. Warum hast du dich entschieden einen Film über die Distillery zu drehen?
Wir sind ein Vierer-Team: Johannes Amm und Benedikt Fitzke stehen an der Kamera, Stefan Leuschel ist unser Cutter und ich bin für die Redaktion zuständig. Wir sind seit ein paar Jahren Gäste der Distillery und arbeiten alle hauptberuflich fürs Fernsehen. Mit dem Film verwirklichen wir unseren Traum von einem freien Projekt – ohne Vorgaben von Sendern oder anderen Auftraggebern. Anlässlich des 20-jährigen Club-Geburtstages lag es nahe, einen Blick in die Distillery-Geschichte zu werfen. Also haben wir Geschäftsführer Steffen Kache angefragt, ob er damit einverstanden wäre und erste Recherchen angestellt. Die Idee hat sich seit Sommer 2010 schrittweise entwickelt und irgendwann haben wir uns gesagt: Wir fangen jetzt an.

Euer Projekt hat sowohl was die Zeit in der der Film finanziert wurde als auch hinsichtlich der Höhe der Finanzierung einen neuen Rekord aufgestellt. Habt ihr damit gerechnet?
Nein, das haben wir nicht. Um ehrlich zu sein, waren wir anfangs etwas skeptisch, weil wir noch keine Erfahrungen mit Crowdfunding hatten. Deshalb haben wir die Summe auch sehr niedrig angesetzt und uns gesagt, den Rest der Ausgaben zahlen wir dann aus eigener Tasche drauf. Als unser Projekt online war und wir gemerkt haben, wie viel Unterstützung wir bekommen, haben wir anfangs völlig überrascht vor unseren Rechnern gesessen und immer wieder auf aktualisieren geklickt. Wir können jetzt die Umsetzung des Films mit einem guten Gefühl angehen, denn jetzt sind alle Fix-Kosten gedeckt.

Was war deiner Meinung nach entscheidend für euren Erfolg?
Wir wussten, dass Viele mit dem Herzen an der Distillery hängen. Bei unseren Recherchen und den Interviews haben fast alle unserer Gesprächspartner die Distillery nicht nur als Club, sondern als ihr Wohnzimmer, als einen familiären Ort beschrieben. Aber wie eng diese Verbindung tatsächlich ist, hat uns dennoch überrascht. Das betrifft nicht nur die Bereitschaft unseren Film finanziell zu unterstützen. Auch die Resonanz auf unseren Aufruf, uns Bilder, Geschichten oder Filmmaterial zu senden, war enorm und ergiebig. Wir haben viele Emails bekommen, in denen uns Leute ihre Hilfe angeboten und uns motiviert haben. Das war wirklich toll. Ein weiterer wichtiger Faktor war sicher auch, dass wir von Anfang an Facebook genutzt haben. Schon bevor das Projekt online ging haben wir auf unserer Seite den Trailer angekündigt und über unsere Accounts unseren Freunden Bescheid gegeben. Die Information hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Innerhalb weniger Tage hatten wir bereits 1000 Follower. Erst ein paar Stunden später haben wir auf der Seite der Distillery für unseren Trailer geworben. Neben tollen Berichten in der lokalen Presse, die wir selbst initiiert hatten, haben auch bundesweite Blogs für elektronische Musik unser Vorhaben verbreitet, ohne dass wir davon wussten. Das Projekt ist quasi zum Selbstläufer geworden, das hat uns riesig gefreut.

Wie wollt ihr die zusätzlichen Mittel, die euch jetzt zur Verfügung stehen nutzen?
Durch die zahlreichen Unterstützer können wir nun eine professionelle Farbkorrektur vornehmen und eine Soundmischung fürs Kino machen lassen. Außerdem haben wir auch eine weitere Filmlizenz für historische Aufnahmen im Blick, die wir sonst uns hätten nicht leisten können. Bisher sind zwei Kinovorstellungen geplant, aber wenn Interesse bestehen sollte, wären wir auch bereit weitere Aufführungen anzugehen. Außerdem dürfte es uns jetzt möglich sein, wenn alle unsere Unterstützer ihre Gegenleistungen erhalten haben, die DVD zum Verkauf anzubieten.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Fertigstellung des Films! Wir sind gespannt! 🙂

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